Wasserwege in Deutschland

Wasserstraßen der Superlative

90 Prozent aller Waren werden auf dem Wasser transportiert - übers Meer oder auf Wasserstraßen, also schiffbaren Flüssen und Kanälen. Unter den spektakulärsten hier vorgestellten Handelsrouten liegen übrigens zwei in Deutschland.

Wasser ist ein beliebter Verkehrsweg: Bis heute werden 90 Prozent aller Waren per Schiff transportiert. Sogenannte Wasserstraßen gibt es einmal ganz natürlich in Form von Meerengen. Oder aber es sind künstlich von Menschen angelegte Kanäle, meist gewaltige Bauwerke. Sie erleichtern den Schiffsverkehr und kürzen Handelsrouten ab. Eins haben die "flüssigen Verbindungen" gemeinsam: Sie versetzen uns ins Staunen! Weil sie so lang sind, so gefährlich, so viel befahren, so verrückt oder so teuer. Die folgenden atemberaubenden Wasserstraßen sollten Sie daher unbedingt kennen(lernen):

Meistbefahrene künstliche Wasserstraße: Der Nord-Ostsee-Kanal

Hätten Sie das gedacht? Die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt ist - noch vor dem Panama- und dem Suezkanal - der Nord-Ostsee-Kanal in Schleswig-Holstein. Er verläuft über 100 Kilometer zwischen den Städten Kiel und Brunsbüttel. 2014 schipperten rund 32.600 Schiffe mit 105 Millionen Tonnen Ladung durch die kürzeste und schnellste Seeverbindung zwischen Nord- und Ostsee. Der Kanal hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel: Erbaut wurde er bereits zwischen 1887 und 1914. Er ist nicht nur für die deutschen Nordseehäfen von erheblicher Bedeutung, sondern bundesweit für die import- und exportabhängige Wirtschaft.Kleiner Wehmutstropfen: Seine Lage ist nicht einzigartig. Wer will, kann relativ einfach eine andere Route wählen, etwa über Dänemark. Ein Beispiel: Für die 870 Seemeilen (1.180 Kilometer) lange Strecke von Hamburg nach St. Petersburg in Russland benötigt ein Containerschiff durch den Nord-Ostsee-Kanal gut drei Tage. Die Alternative um Skagen, die dänische Hafenstadt an der Nordspitze von Jütland, ist etwa 500 Seemeilen länger und dauert etwa fünf bis sechs Tage. Beim Suez- und beim Panamakanal wären die Ausweichrouten dagegen bis zu 30 Tage länger. Deshalb sind die Gebühren am Nord-Ostsee-Kanal - anders als bei Wasserstraßen ohne Ausweichrouten - moderat. Eine Passage für ein Containerschiff kostet zwischen 5.800 und 10.000 Euro. In Panama oder Suez beginnen die Tarife erst bei 100.000 Euro.

Größter Kanalknotenpunkt der Welt: Datteln

Die nordrhein-westfälische Stadt Datteln mit ihren gut 34.000 Einwohnern liegt im nördlichen Ruhrgebiet bei Recklinghausen - und rühmt sich mit dem Titel "größter Kanalknotenpunkt der Welt". Was wohl auch stimmt, denn hier treffen gleich mehrere Wasserstraßen aufeinander, nämlich vier Kanäle: der Dortmund-Ems-Kanal, der Rhein-Herne-Kanal, der Wesel-Datteln-Kanal und der Datteln-Hamm-Kanal. Man spricht auch vom "Kanalkreuz Datteln". Die Kanäle verbinden die Stadt mit allen wichtigen Wirtschaftsgebieten Deutschlands und Europas. Nimmt man die zusammenhängenden Wasserflächen der Schleusen und Häfen sowie der Kanäle mit ihren geräumigen Abzweigungen zusammen, ergeben sie das sogenannte "Dattelner Meer". Was recht großspurig klingt: Zusammengenommen beträgt die Länge der Wasserstraßen auf Dattelner Stadtgebiet 17 Kilometer. Ausgehend vom Kanalkreuz Datteln lassen sich insgesamt etwa 85 Kilometer Wasserstraßen ohne Schleusung befahren. Bekannt gemacht hat Datteln als "Kanalkreuz" der ehemalige Bürgermeister Horst Niggermeier, der mächtig die Werbetrommeln rührte. Er komponierte auch gleich noch den Karnevalsschlager "Komm mal mit zum Dattelner Kanal" und produzierte das "Dattelner Kanalwasser", einen westfälischen klaren Korn.